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Segel-Club Nordstern Spandau e.V.
gegründet 1920 |
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von Werner Kunze
Als wir, mein Kollege und ich, sein ramponiertes Boot bei Max Buller im Stand zu schwimmen hatten, ließen wir einmal, aber nur einmal, die Kosten für die Reparatur schätzen. Der Boden hatte ein Loch, das mit Linoleum bedeckt war, das Schwert hatte sich tief in den Kasten gearbeitet, Spanten waren gebrochen und durch die Ritzen sprudelte das Wasser.
Bei Max Buller haben wir mit seiner Hilfe den Kahn abgedichtet und mit Lack von Dr. Münch und Rhörs außen weiß und unten grün angepinselt. Aber dann gab er uns den Rat, doch in einen Verein zu gehen, da gäbe es viele Möglichkeiten, das Boot wieder flott zu machen.
Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit Felix Richter, einem älteren Nachbarn aus der Streitstraße. Der sagte mir, ich solle doch zum Segel-Club Spandau gehen und lud mich zu sich in die Wohnung ein. Hier zeigte er mir viele Fotografien mit Booten von seinem Verein, von den Festlichkeiten und schwärmte von seinem Clubstander, einem Doppelpfeil, der vorwärts zeigt: "Ja, bei uns geht es vorwärts!" Den Stander habe er entworfen. Ich glaube, er war sechs Jahre einmal Vorsitzender im SCS und auch im Deutschen Segler-Bund.
Ich ging also allein zu den Spandauern. Allein, weil mein Freund von einem Verein nichts hielt. Er stieg aus. Den Schrotthaufen überließ er mir unter der Bedingung, daß er auch einmal damit fahren könne.
Im Klubheim des SCS war gerade der Vorsitzende anwesend. Der fragte nach meinem Begehr, nach meinem Beruf, nach dem Zustand des Bootes und musterte mich nachdenklich. Schließlich sagte er mir, ich solle doch einmal nach draußen gehen und mir einen Platz suchen. Der Schuppen war voll, unter den Vordächern standen die Boote dicht an dicht. Platz war nur im Freien, für Bauarbeiten kaum Möglichkeiten. Ziemlich betrübt ging ich wieder.
Eines Tages traf ich Rudi Holle, mit dem ich zusammen in der Wichernkirche eingesegnet worden war. Rudi managte alles. Ich kam mit dem Boot. Viele Hände holten es aus dem Wasser. Der Schuppen wurde aufgemacht, und eins-fix-drei stand das Boot auf Böcken im Trockenen. Ich trat also in den SC Nordstern ein und wurde durch die Fürsprache von Rudi Holle, Fred Korseck und Werner Rietz aufgenommen. Das war 1948.
Um die Geschichte abzurunden, muß ich noch etwas aus späteren Jahren erzählen. Der SC Spandau ist aus dem WSV Nordstern hervorgegangen. Nach zwei Jahren der Mitgliedschaft haben sich einige abgesetzt, gründeten den SCS, verließen den Freien Segler-Verband und gingen zum Deutschen Segler-Bund. So hatte der Segel-Club Spandau immer zwei Jahre nach uns seine Jubiläen.
1972 feierte der SCS sein 50-jähriges. Alle Mitglieder waren mit ihren Damen eingeladen. Fredy Stach hielt seine Ansprache an die Mitglieder und begrüßte die Ehrengäste, so auch mich als Bezirksvorsitzenden von Tegel. Ich sah mir dann die Tischkarte an und entdeckte, daß der Doppelpfeil auf dem Stander nach hinten zeigte. Als ich dann mit meiner Rede am Ende war, konnte ich mir nicht verkneifen, darauf hinzuweisen. Fredy Stach platzte: "Nicht mal meine Mitglieder haben das bemerkt!"
Trotzdem war es ein netter Abend, bei dem von vereinspolitischen Dingen nicht mehr die Rede war. Wir waren Nachbarn und blieben gute Freunde.
Werner Kunze
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