Stander des SCN

Segel-Club Nordstern Spandau e.V.

gegründet 1920
Mitglied im Deutschen Segler-Verband und im Berliner Segler-Verband

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Das Rote Fest (1958)

von Werner Kunze

Nachdem wir 1952 das neue Clubheim gebührend gefeiert hatten, war bei den Senioren erst einmal Ruhe und Segeln angesagt. Aber bei unserer Jugend war das anders. Sie feierte fröhlich laut im Jugendhaus, dem Stammhaus unseres Vereins, das unsere Senioren vom Restaurant Wilhelmsruh mitgebracht hatten.

Als wir Jugendleiter, Rudi Holle und ich, spät am Abend nach dem rechten sahen, wurden wir schon an der Tür von Karin abgefertigt: "Wir machen gleich Schluß!" Das war auch gut so, denn am Sonntag war wie immer um 9 Uhr Flaggenappell mit anschließender Jugendversammlung -- manchmal mit Unterricht und Wind aus Rudis Staubsauger. Danach wurde gesegelt, anfangs mit den 10ern, später, nachdem uns vom SCS zwei Boote leihweise überlassen wurden, immer häufiger im Piraten. Wir bekamen G-1043 und G-1044 und für Wettfahrten auch G-1042 und G-1041, den die Spandauer "Methusalem" getauft hatten, weil Willi Thomas sich mit dem Bau reichlich Zeit gelassen hatte.

Über die Zeit nach 1952 könnten auch einmal die ehemaligen Jugendlichen schreiben, z.B. über die Jugendfeste in den Vereinen am See, über die Jugendregatten und die Vorliebe für Petromaxlampen von Valentinswerder. Vielleicht gratulieren sie noch nachträglich Horst Ketterling zum Twist-Master vom See.

Die Jugend feierte dann das erste Sylvester im neuen Clubheim. Da aber der Raum für etwa 20 Personen zu groß war, wurde der Raum zwischen dem Eingang und der Theke ausgeschmückt und die Tür zur Halle hin zugehangen. Es soll ein tolles Fest gewesen sein. Das sprach sich herum, und im nächsten Jahr wurde zwischen Weihnachten und Sylvester der ganze Raum dekoriert, und das blieb so bis nach dem von nun an immer veranstalteten Kostümfest. Zwischen Weihnachten und Sylvester war Hochbetrieb. Es wurde geschnitten, geklebt, gemalt und aufgehängt. Manche Feier während der Dekoration war fröhlicher als die Feiern danach. Später konnten wir auch mit ruhigem Gewissen die Papiere aufhängen, da die eisernen Öfen inzwischen gegen große verkleidete Ölöfen ausgetauscht waren.

1958 änderte sich der Vorstand. Herbert Gohlke entdeckte seine Liebe zu Griechenland, verkaufte sein Boot und trat als 2. Vorsitzender zurück. Der Vorstand einigte sich auf Roderich Krey als seinen Nachfolger, und es schien alles seinen Gang zu gehen. Wir wissen nicht mehr, was Roderich über die Leber gelaufen war, jedenfalls war bei er Versammlung mit ihm nicht mehr zu rechnen. Ich glaube, es war, weil er ein Amt im Vorstand des Bezirks innehatte. Später war Roderich der Drummer in unserer Hauskapelle. Roderich schlug mich dann vor, und obwohl ich die verschiedenen Auffassungen im Geschäftsführenden Vorstand kannte, nahm ich mit dem Gedanken an den nicht gekauften Piraten das Amt an.

Zur Kinderweihnachtsfeier, die wie immer unter der Leitung von Gerhard Schäfer stand, sammelten wir die Anmeldungen für die Sylvesterfeier. Es waren reichlich viele, so daß wieder der ganze Raum ausgeschmückt werden mußte. Wir besorgten eine Dixielandkapelle, bauten in der Mitte der Fensterseite zwei Schallwände auf und diskutierten ausgiebig über die Beleuchtung, die durch die Deckenlampen wenig zur Dekoration paßte. Wir kamen auf Tischlampen. Zur Weihnachtsfeier war das noch nicht möglich, aber dann. Flaschen lieferte unsere Kantine, vor allem die von Götz von Berlichingen. Hermann Wollinger verschweißte Drähte für die Halterungen auf den Glühlampen und für die Halterung der Fassungen in den Flaschen. Zeichenpapier wurde gekauft, und in Heimarbeit entstanden dann die Lampenschirme, die dann noch mit Etiketten von Fritze Eichholtz, meinem Schulkameraden, der auch unsere Kantine belieferte, beklebt wurden. Unser Klubkamerad Kreft zeigte uns, wie aus den Leimtuben mit Hilfe eines Kugelschreibers auch der letzte Rest des Klebers herausgedrückt werden kann.

Kurz vor dem Weihnachtsfest stolpert Bernhard Nölte über die Tanzfläche -- sicherlich, weil sie so uneben war. Dann kam es: Die Ausschmückung für die Sylvesterfeier war so ziemlich abgeschlossen. Die Tischlampen waren aufgestellt und hatten den Probelauf bestanden, als plötzlich eine Firma anrückte und die Tanzfläche mit roten Hartfaserplatten benagelte. Alle wunderten sich, auch der Vorstand, und am Vormittag des Festes kam Bernhard Nölte und grinste. Er fand das also ganz schön.

Ich habe dann unsere Wirtin Frau Metz gebeten, die Platten noch schnell einzufetten, zu bohnern oder irgendetwas damit zu machen. Aber sie hatte weder Lust noch Zeit, und so nahm das Unglück seinen Lauf.

Gegen Mitternacht kamen die ersten Besucher von unserer Toilette, die damals noch im Garderobenhaus war, aufgeregt zurück und berichteten von roten Hemdkragen, Socken, Ärmeln und Unterröcken. Schlimm war auch unsere Kapelle dran, weil die Armen bei diesem Staub blasen mußten. Kamerad Ruppert vom Segel-Club Spandau, der Bandleader, war nicht mehr gut auf mich zu sprechen und suchte vergeblich unseren Vorsitzenden, der sich aber schon früher vorsorglich aus dem roten Staub gemacht hatte. Bernhard hatte zum Fest seine Pappnase kunstvoll mit seiner Brille verknotet, und als wir am nächsten Morgen zur Nachlese in den Club kamen, war auch Bernhard schon da. So ganz nebenbei flüsterte er mir zu: "Meine Nase war innen auch ganz rot!" Das war die kleine Rache des Objekts.

Kamerad Ruppert kam auch noch und wollte von uns ein neues Oberhemd haben, aber nach dem dritten Bier waren wir uns einig: Das ist Berufsrisiko!

Werner Kunze

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