Orkan über Mallorca
Turbulente Ereignisse beim Bavaria Balearen Cup 2008
Bericht von Markus Trompka
Den Abend verbrachten alle Teilnehmer im Club de Vela bei einem sehr schönen Abendessen. Anschließend zogen meine Jungs und ich noch gen Promenade wo wir in der Bar „People´s“, die ich von meinen Urlauben her kenne, den „Absacker“ einflößten und der Abend seinen feuchten Ausklang fand.
Mittwoch
!! Die Hölle bricht über uns hinein !!
Durch dumpfe Schläge, lautes Geschrei und schlagende Fallen werde ich gegen 08:30 aus dem Schlaf gerissen. Als ich an Deck stürze sehe ich schon was los ist. Sturm mit 36 knoten auf dem Windanzeiger.
Trotz gespannter Moorings drückt der Sturm unser Heck gegen die Kaimauer. Der Wind kommt genau von vorn und drückt uns nach Bb weg. Die Moorings halten, haben aber einen ¾ Meter nachgegeben, so dass wir nun gegen die Kaimauer schlagen. Die Crew verhindert schlimmeres mit den Fendern. Ich starte den Motor, Gang rein und Vollgas. Zusätzliche Leinen werden quer zu den anderen Schiffen gespannt, um zu sichern. Jeder Hilft jedem wo er kann.
Motorkraft und Fender verhindern das schlimmste, denn der Wind hat zugelegt, nun auf 45 knoten, Tendenz steigend. Trotz Vollgas drücken uns Wind und Wellen immer wieder an die Kaimauer. Auch das steigende Wasser macht mir Sorgen, denn nun besteht die Gefahr, dass das Heck auf die Kaimauer aufschlägt. Wir kämpfen mit allen Mitteln.
Als der Wind mit 65 knoten ( 63 kn = 12 bft ) Orkanstärke erreicht verlassen wir kurzzeitig das Schiff, da wir nicht wissen ob die Moorings bzw. die Klampen halten und die Sicherheit für die Mannschaft Vorrang hat. Wir gehen das Risiko ein und springen wieder an Bord, als der Wind etwas nachlässt und nun mit 54 kn bläst. Alle Leinen halten und wir haben Hoffnung die Sache halbwegs vernünftig zu überstehen.
Im Hafenbecken herrscht blankes Chaos, losgerissene Schiffe treiben gen Mole und werden dort von Welle und Wind regelrecht hingerichtet. Überall schlagen Boote gegeneinander, Material bricht, Menschen rennen wild umher und die Promenade gleicht einer Trümmerlandschaft, aber die Natur bleibt hart. Wieder wird die 60 kn Marke überschritten, allerdings nur kurzfristig, Gott sei Dank.
Nach ca. 4 Stunden ist der Spuk vorbei und der Wind lässt spürbar nach, alle sind erleichtert und gehen sofort an die Schadensbegutachtung.
Nun wird das Ausmaß der Verwüstung sichtbar, abgerissene Seerelings, Löcher in einigen Rümpfen, komplett verbogene und teilweise herausgerissene Klampen, sowie ein völlig demolierter Schwimmsteg der nur noch von einigen Bolzen gehalten wird, waren das Ergebnis.
Bei einem Regattateilnehmer klafft im Heck ein riesiges Loch, in das man leicht gebückt hätte einsteigen können.
Wir hatten riesiges Glück, denn außer ein paar Rissen im Heckgummi, zwei geplatzten Fendern und einigen Schrammen an Stb, die durch ein neben uns liegendes Fischerboot verursacht wurden, war soweit alles klar. Bis auf eines, der Schock stieg so langsam in uns auf und uns wurde nun erst bewusst, dass wir gegen solche Naturkräfte eigentlich null Chance haben.
Auf Mallorca hatte der Sturm an diesem Tag drei Todesopfer gefordert .
Nachdem wir ein paar Rum/Cola intus hatten, ließ der Schock langsam nach und ich stellte die Frage wann wir denn nach Palma zurückfahren wollten. Die Antwort lautete,
„Überhaupt nicht, wir sind doch nicht Lebensmüde, schau dir mal den Schwall an der immer noch in der Hafeneinfahrt steht. Wir nehmen das erste Taxi und ab geht’s zum Flughafen“.
Ehrlich gesagt, waren die Geräusche der Wellenbrecher nicht gerade beruhigend, die gegen die vorgelagerten Felswände schlugen.
Also ging ich erstmal zu den anderen Schiffen um hier die Lage zu erkunden. Einige hatten schon die Koffer gepackt und wollten nichts wie weg, was bei den Erlebnissen nicht unverständlich war.
Nach prüfen der Wetterlage bestand die Möglichkeit zwischen 14.00 – 18.00 Uhr nach Palma zurück zu fahren, da das Wetter sich etwas beruhigen sollte. Die Regattaleitung machte um 14:30 Uhr den Anfang und fuhr los. Acht weitere Schiffe folgten und nach einigen Diskussionen legten wir auch vom Kai ab. Hinter der Hafenmole ging es dann noch mal zur Sache, Hebel auf den Tisch und mit Vollgas durch die Wellen hindurch.
Nach verlassen der Bucht von Andraxt änderten wir den Kurs nach Osten Richtung Palma, der Wind kam nun von achtern sodass wir von Wind und Wellen geschoben, Richtung Palma geleiteten, allerdings unter Maschine, da jeder Versuch von mir die Segel zu setzen vehement abgelehnt wurde.
Unterwegs sahen wir noch zwei Rettungskreuzer, die ein gestrandetes Küstenmotorschiff in der Bucht von Paguera versorgten, deren Mannschaft wohl mit dem Hubschrauber abgeborgen worden war, was wir am nächsten Tag aus der Zeitung erst erfuhren.
Die Rückfahrt verlief problemlos und wir machten gegen 18:00 Uhr erleichtert im Club de Mar wieder fest. Die Stimmung an Bord wollte sich aber nicht so richtig einstellen. Tresi und Ralli beschlossen Ihre Abreise am nächsten Tag. Trotzdem ließen wir den Abend noch mit ein paar Bierchen ausklingen.
Donnerstag
Wir sind jetzt nur noch zu dritt, da die anderen beiden in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen abgedüst sind und um 13.00 Uhr wieder Berliner Boden unter den Füßen verspürten, als wir beim Skippermeeting die Nachricht erfuhren, dass noch 6 Schiffe in Andraxt liegen und auf eine notdürftige Reparatur warten. Es wurde keine weitere Wettfahrt gestartet, da der Wind über Nacht wieder auf 6 bft zugelegt hatte und in der Bucht von Palma eine gut zwei Meter hohe Welle ihr Unwesen trieb.
Für uns hieß das Landgang und der Tag endete mal wieder in einer kleinen Bar am Passeo de Maritim, unweit vom Liegeplatz.
Freitag
Das Wetter wollte sich einfach nicht benehmen und so kam was kommen musste, eine weitere Wettfahrt war nicht möglich und damit war die Regatta beendet. Nach Rücksprache mit allen Teilnehmern, beschloss die Regattaleitung die vier gesegelten Wettfahrten, mit einem Streicher, als Gesamtergebnis zu werten.
Nach dem Abendessen gegen 21.00 Uhr war dann die
Der fünfte Platz war unser und ich bekam meinen ersten Pokal an diesem Abend überreicht.
Auch wenn einige „alte“ Regattahasen darüber nur lächeln würden, für mich war es ein großer Erfolg, den unter diesen Umständen nicht jeder erlebt hat und auch ich bestimmt nicht noch mal erleben möchte, was die Ereignisse im Hafen von Port de Andraxt betrifft !!
In diesem Sinne,
Markus Trompka ( Trommel )