4 Wochen Varianta
von Axel Reband
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Das erste Mal in meinem Arbeitsleben 4 Wochen Urlaub am Stück. Wir hatten uns vorgenommen mit der „Sirius“, eine Varianta 65, die Insel Rügen und die auf der Reise dahin liegenden Häfen zu erkunden. Wir, das sind meine Frau Barbara (Babsi), unser Beagle Bernie und meine Wenigkeit. Am 13. Juni 2009 ging es los. Eigentlich wollten wir um 15 Uhr vom Segel-Club Nordstern (SCN) ablegen, wurden aber von Klubkameradin Renate vor der Abfahrt zu einem leckeren Stück Erdbeertorte mit Sahne mit den dazugehörigen Kaffee genötigt. Christel und Tina aus unserem Segelclub waren ebenfalls dabei. Um 16 Uhr legten wir schließlich bei Sonnenschein und böigem Nordwind vom Steg des SCN ab. Renate, Christel und Tina, die uns beim Ablegen eine gute Reise gewünscht hatten, winkten noch eine Weile mit weißen Papiertaschentüchern hinter uns her. Der Urlaub hatte begonnen. Gegen 7 Uhr erreichten wir die Schleuse Lehnitz, die wir ohne lange Wartezeit passierten. Zwei Stunden später erreichten wir unser erstes Ziel, die Schleuse Liebenwalde im Malzer Kanal. Vor der Schleuse konnte man am befestigten Ufer anlegen, um die Nacht zu verbringen. Bernie bekam noch etwas Auslauf, und wir genossen den Sonnenuntergang. Am nächsten Tag setzten wir um 8 Uhr die Fahrt in Richtung Ostsee fort. Ziel war Schwedt. Mittags erreichen wir das Schiffshebewerk Niederfinow. Nach einer Stunde Wartezeit ging es in die „Badewanne“. Das Herunterfahren im Schiffshebewerk ist schon ein Erlebnis. 36 m ging es in dem ca. 4300 t schweren Becken nach unten. Dazu brauchten die vier Zahnstangenantriebe nur 5 Minuten. Das 1929 in Betrieb genommene Bauwerk soll zukünftig durch ein im Bau befindliches neues Schiffshebewerk ersetzt werden. Die Schleuse Hohensaaten ereichten wir gegen 15 Uhr. Hier konnte man sich entscheiden, ob man in die Westoder oder die Oder einfährt (was für ein Satzgebilde!). Wir steuerten die Westschleuse an. Als einziges Boot in der Schleusenkammer ging die Fahrt kurze Zeit später weiter. Die Fahrt auf der Westoder ist sehr entspannend. Die Natur am Ufer ist sehr abwechslungsreich und nur ganz selten kam uns ein anderes Boot entgegen. Man merkte wie man den Alltag immer mehr hinter sich lies. Am Abend erreichten wir Schwedt. Hier trafen wir im Sportclub Rotation Norbert und Gabi, ebenfalls Mitglieder im SCN, mit ihrer neuerworbenen „Godewind“. Nach einem kurzen Hallo mit den Vereinskameraden öffneten wir zum Abendbrot eine deftige Gulaschsuppe aus unserem Proviant. Bei der Besteckauswahl fiel dann auf, dass in unserer Bordküche keine Esslöffel zu finden waren. Irgendjemand vom Bordpersonal hat sie schlicht vergessen. Zu bemerken sei nur hierzu, dass eine Suppe mit Teelöffeln zu essen eine echt langwierige Angelegenheit ist. Am Montag den 15. Juni erreichten wir am späten Nachmittag die Marina Gozlav in Stettin. Hier halfen wir Norbert beim Maststellen, worauf er und Gabi sich mit einem 3 Gänge Menü auf der „Godewind“ bedankten. Der Mast unserer Varianta ebenfalls war schnell gestellt und die Vorbereitungen für die Weiterfahrt waren abends abgeschlossen. Vom Hafenmeister kam die Information einer Sturmwarnung für den nächsten Tag. Über das Internet bekamen wir eine Windvorhersage NW 4 zunehmend 5. In der Hoffnung auf Wetterbesserung beschlossen wir den nächsten Tag in Schwerin zu verbringen. Am Mittwoch kam die Windvorhersage W-NW 4 – 5 abflauend, später Süd mit 3 drehend, See 1 m. Wir legten um 12 Uhr aus der Marina Gozlav ab, mit dem Ziel Ückermünde. Unter Motor ging es gegen an. Die „Sirius“ verhielt sich bei der kurzen Welle, wie man sie im Haff antrifft, sehr gut. Der Motor kam nicht aus dem Wasser, und es ging mit 4 kn gegen an. An der Grenzlinie Kurswechsel auf SW. Als wir die Segel setzten wollten, flaute der Wind gänzlich ab, und die See war spiegelglatt. Also ging es weiter unter Motor bis nach Ückermünde. Gleich nach der Einfahrt in die Uecker bogen wir links ab und legten in der Lagunenstadt an. Der Hafen ist gut geschützt und von dem Service (Dusche kostenlos, Hafentankstelle) können sich andere Häfen ein Beispiel nehmen. Empfehlenswert ist u.a. das Restaurantschiff „König Ludwig“, wo wir am Abend in netter Atmosphäre gespeist haben. Am nächsten Tag war das Tagesziel Mönkebude. Einige Segelkameraden hatten uns empfohlen, diesen Hafen unbedingt anzulaufen. Nach einem ausgiebigen Frühstück verließen wir die Lagunenstadt gegen Mittag und segelten mit halbem Wind in Richtung Mönkebude. Gegen 15 Uhr erreichten wir den Yachthafen und hatten Glück noch einen freien Stegplatz zu bekommen. Es war Donnerstag, Mitte Juni und der Hafen ausgebucht. Ich möchte nicht wissen, was hier in den Sommerferien los ist. Unschön war Mönkebude, dass für jede einzelne Leistung Geld verlangt wurde. Man musste sogar bei jedem Toilettegang 30 Cent mitnehmen. Außerdem wurden wir am nächsten Morgen um 7 Uhr durch den Hafenmeister geweckt, der mit Hilfe eines Minitreckers unüberhörbar den Rasen mähen musste. Am Vormittag verließen wir Mönkebude mit dem Ziel Karmin. Mit Wind 3-4 aus SW segelten wir über das Stettiner Haff und liefen gegen 14 Uhr in den kleinen Naturhafen von Vadder Gentz ein. Mit unserer Varianta hatten wir keine Tiefgangsprobleme, da der Hafen nur 1,20 m Wassertiefe hat. Wir legten uns neben den Kutter von unserem Segelkamerad Trommel, mit dem wir hier verabredet waren. Am Abend wurden mit ihm ein paar gepflegte Biere vernichtet und eine doch sehr aufschlussreiche Unterhaltung mit Einheimischen geführt, die uns an dem aktuellen Dorftratsch teilnehmen ließen. Da Trommel mit seinem Auto in Karmin war, nutzen wir gleich die Möglichkeit am nächsten Tag mit ihm in Usedom Proviant und Brennstoff einzukaufen. Am Nachmittag erkundeten wir zu Fuß die Gegend und schauten uns die beiden anderen Häfen in Karmin, sowie die alte Eisenbahnhubbrücke an. Abends saßen wir mit Trommel im Schein einer Petroleumlampe auf der „Sirius“, schauten auf das spiegelglatte Wasser des Haffs und sinnierten bei ein paar gepflegten Gläsern Bourbon über den Sinn des Lebens. Ein perfekter Urlaubsabend! Am Dienstag den 23. Juni legten wir morgens um 10 Uhr bei leichter Bewölkung und ganz schwachem Wind in Karmin ab. Unser Ziel war Freest. Trotz des schwachen Windes (1–2 Bft.) zogen wir die Segel hoch und fuhren mit 2 kn in Richtung Hubbrücke Zecherin. Die öffnete pünktlich um 11:45 Uhr und ließ uns in das Achterwasser der Insel Usedom einlaufen. Im Laufe des Tages verdunkelte sich der Himmel und in Richtung Festland sah man den einen oder anderen Blitz. Wir blieben aber von dem Unwetter verschont. Der Wind nahm nicht zu und kein Tropfen Regen fiel vom Himmel. So durchquerten die „Sirius“ in aller Ruhe das Achterwasser. Drei Seemeilen vor Wolgast starteten wir den Motor, um noch pünktlich um 16:45 Uhr zur Brückenöffnung in Wolgast zu kommen. Da der Wind nach der Brückendurchfahrt gänzlich einschlief, fuhren wir weiter mit dem Motor bis nach Freest, wo wir gegen 19 Uhr im gut geschützten Seglerhafen anlegten. Leider war in der „Sportgemeinschaft Seesegeln Freest“ kein Platz frei, jedoch fanden wir ein Platz hinter dem Vereinsgelände der Sportgemeinschaft, wo noch ein Steg für unsere „Sirius“ frei war. Diese Steganlage wird vom Hafenmeister in Freest verwaltet. Wenn man das Jahr der ersten Reise von Christoph Kolumbus wusste, (und jeder Segler weiß das natürlich!) konnte man die Tür zu den sanitären Anlagen der Sportgemeinschaft öffnen. Am folgenden Tag erkundeten wir bei strahlendem Sonnenschein den Fischereihafen von Freest. Wir kauften direkt im Hafen für das Abendbrot frisch geräucherte Makrele und deckten uns im örtlichen Kaufmarkt mit Proviant ein. Zum Abend frischte der Wind bis auf 4-5 Bft aus NE auf, was wir erst bemerkten, als wir am Abend an einem kleinen Strand auf den Greifswalder Bodden schauten. Der perfekte Wind für unser nächstes Ziel Greifswald. Am folgenden Morgen ging es um 8 Uhr unter Am Wind Kurs auf den Greifswalder Bodden. Als wir gegen 10 Uhr den direkten Kurs auf Greifswald setzten, nahm der Wind auf 6 Bft zu. Da das GPS bei unserem Raumschot Kurs teilweise über 6 kn anzeigte, nahm ich das Groß gleich ganz runter. Nur unter der Fock liefen wir immer noch 4,5 kn. Trotzdem wir von den 1 m – 1,5 m hohen Wellen, die unter uns durchliefen, ganz schön durchgeschüttelt wurden, hatten wir nie den Eindruck, dass die Varianta damit überfordert sei. Gegen 13 Uhr liefen wir in die Ryck ein. Da der Wind genau in die Flussmündung stand, beschlossen wir Greifswald-Wieck zu einem späteren Zeitpunkt zu erkunden und fuhren unter Motor weiter nach Greifswald. Pünktlich zu jeder Stunde wurde die Klappbrücke geöffnet, so dass wir für die Weiterfahrt nicht lange warten mussten. Nach ca. 2 sm auf der Ryck legten wir im Hanse-Yachtzentrum an. Um uns herum lagen nur neuwertige 35 – 50 ft Segler, was in uns zwar kein Neid auslöste, jedoch etwas gewöhnungsbedürftig war. Das Yachtzentrum ist sehr schön gelegen. Durch das benachbarte skandinavische Dorf mit dem davorliegenden Hafen wurde der Eindruck erweckt, dass man sich in Schweden aufhält. Der Service, sowie die sanitären Anlagen waren vorbildlich, allerdings mit 11 € für Schiffe bis 8 m auch nicht ganz billig. Den folgenden Mittwoch nutzen wir, um die Altstadt von Greifswald zu erkunden. Auffallend waren hier die schön sanierten Häuser und der benachbarte Museumshafen, in dem ein paar gut erhaltene alte Seglerschiffe zu beschauen waren. Gleichzeitig nahmen wir die Gelegenheit war und kauften endlich Esslöffel für unsere Bordküche. Eigentlich wollten wir am morgigen Donnerstag in Richtung Strahlsund segeln, jedoch hielt uns der NE Wind mit 6 Bft im Hafen fest. Dazu kam, dass es morgens regnete und der Wetterbericht eine Welle von 1,5 – 2 m im Greifswalder Bodden vorhersagte. Übrigens der erste Regen im bisherigen Urlaub! Also legten wir ein Faullenz-, Lese- und Kniffeltag ein, was auch mal ganz nett war. Das Wetter änderte sich auch am nächsten Tag nicht, außer das der Regen nachließ. Auch der Wetterbericht brachte keine Aussicht auf Wetteränderung. Wir beschlossen das Yachtzentrum Greifswald zu verlassen und nach Greifswald-Wieck vorzufahren. Am späten Vormittag legten wir ab und fuhren langsam unter Motor die Ryck herunter. Wir kamen pünktlich zur Brückenöffnung und suchten dann nach einem geschützten Liegeplatz, da Wind und Dünung direkt in den Fluss stand. Nachdem wir dreimal den Fluss rauf unter runter gefahren waren, legten wir uns zwischen zwei größere Yachten im Greifswalder Yachtclub. Durch die beiden Yachten waren wir zwar etwas vor dem Wind geschützt, allerdings schüttelte uns der Schwell mächtig durch. Abends erkundeten wir Greifswald-Wieck und vervollständigten bei der Gelegenheit unseren Proviant. Am folgenden Morgen versuchte ich einen ordentlichen Wetterbericht zu bekommen. Der erste Versuch erfolgte direkt im Greifswalder Yachtclub. Hier saßen einige Mitglieder vor dem Clubhaus am Tisch und unterhielten sich. Auf meine Frage nach den Wetteraussichten, schauten alle nach oben auf den Himmel und schüttelten nur mit dem Kopf. Einer von ihnen antwortete, nachdem er einen kräftigen Schluck aus der Flasche Warsteiner genommen hatte (es war morgens um 9:30 Uhr), dass sich das Wetter heute und morgen nicht ändern wird. Im nächsten Moment waren alle wieder in ihrem eigentlichen Gespräch vertieft. Der nächste Versuch folgte im Maritimen Jugenddorf Wieck. Diese Einrichtung konnten Jugendgruppen und Schulklassen u.a. nutzen, um segeln oder surfen zu lernen. Also, war mein Gedanke, müsste dort auch ein aktueller Wetterbericht zu bekommen sein. Im Haupthaus gab es eine Glasvitrine mit Aushängen. Dort fand ich auch einen Seewetterbericht, vom letzten Dienstag. Heute war Sonnabend! Der dritte Versuch fand beim Brückenmeister statt, der stündlich die Brücke über den Ryck öffnete. Der Brückenmeister gehörte zum Hafenamt Wieck. Auf meine Frage zum Seewetterbericht, nickte er und sagte, dass der im Hafenbüro aushing. Also machten wir uns auf den Weg dorthin und fanden auch den Aushang. Der aktuelle Wetterbericht war vom Freitag. Wie schon geschrieben, es war Sonnabend. Wir beschlossen am nächsten Tag sehr früh loszusegeln, in der Annahme, dass der Wind morgens noch nicht so heftig wehte. Am Sonntag, den 28.06. legten wir morgens um 8:00 Uhr vom Greifswalder Yachtclub ab. Der Himmel war leicht bedeckt und es wehte mit 5 Bft. aus NE. Unter Motor ging es auf den Greifswalder Bodden, wo wir nach ca. 1 sm die Segel setzten. Mit der Fock und einem Reff im Groß ging es in Richtung Lauterbach auf Rügen. Die „Sirius“ verhielt sich bei dem anliegenden 60 Grad Kurs zum Wind und der Wellenhöhe von ca. 1 m sehr gut. Ab und zu kam es vor, dass sie in ein Wellental fiel, so dass die Fahrt abrupt abnahm. Aber mit durchschnittlichen 4-5 kn machte das Segeln richtig Spaß. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Angst, dass die Varianta mit den Seeverhältnissen überfordert war. Mit weniger Segelfläche würde sie sogar noch eine Windstärke mehr vertragen können. Nach 5 Stunden erreichten wir gut durchgeschüttelt Lauterbach. In der Marina „im Jaich“ suchten wir nach einem Liegeplatz. Leider mussten wir feststellen, dass es nur Stegplätze für Schiffe ab 30 Fuß gab. Also die langen Leinen aus der Backskiste geholt und versucht damit die beiden Heckpfähle einzufangen, die 4 m auseinander standen. Wir brauchten leider einige Zeit, bis unsere Varianta sicher im Steg vertäut war. Es wäre bestimmt schneller gegangen, wenn nicht der Knoten der Hilfsleine aufgegangen wäre, die zwischen Pfahl und Steg gespannt war. Und wenn die 10 bis 15 Leute, die in der Zwischenzeit auf dem Steg vorbeiliefen und dabei mitleidig geschaut haben, uns geholfen hätten. Irgendwie wurde uns dadurch die Marina unsympathisch, was durch die Liegekosten noch verstärkt wurde. Nach einem guten Abendessen am Hafen von Lauterbach beschlossen wir am folgenden Tag nach Seedorf weiter zu segeln. Nachdem wir ausgeschlafen und in Ruhe gefrühstückt hatten, ging es am Montag gegen Mittag nach Seedorf. Mit drei Windstärken aus NE, ging es bei 22° C und strahlendem Sonnenschein durch den Rügischen Bodden. Nach einer ruhigen Fahrt legten wir im sehr idyllischen Hafen von Seedorf an. Von unserem Schiff hatten wir einen herrlichen Ausblick auf eine Mohnblumenwiese. Zum Abend stieg die Temperatur noch auf 27° C an, so dass wir genötigt wurden, ein erstes Bad in der Ostsee zu nehmen. Den nächsten Tag nutzten wir für einen ausgiebigen Spaziergang nach Moritzdorf. Die Landschaft in diesem Teil von Rügen ist traumhaft. Überall Blumenwiesen und dazu den schönen Blick auf die Ostsee. Dazu strahlender Sonnenschein bei ca. 28° C. So muss der Urlaub sein. Der Hafen von Seedorf war gut gefüllt und man konnte mit dem einen oder anderen Segler ein Schwätzchen machen. Auch mit dem Hafenmeister konnte sich man gut austauschen. Bei unserem Plausch fuhr eine recht neu aussehende 50 Fuß Segelyacht in den Hafen ein. Die sechs Besatzungsmitglieder standen auf dem Schiff verteilt und suchten nach einem geeigneten Liegeplatz. Der leichteste von ihnen brachte so ca. 130 kg auf die Waage! Dazu hatten alle komplettes Ölzeug an. Auch die Schwimmweste, samt Lifebelt fehlte nicht. Zur Erinnerung ... der Wind wehte mit 1-2 Bft, es war strahlender Sonnenschein mit ca. 30°C! Die Steganlage von Seedorf ist nur für 12 – 13 m Schiffe ausgelegt. Bevor der Hafenmeister etwas unternehmen konnte, wurde die Yacht von dem Steuermann in einen noch freien Steg gezwängt und klemmte in Höhe der Fockwinschen zwischen den Heckpfählen. Die beiden Segler auf dem Vordeck nahmen sichtlich dankbar die Hilfe des herbeieilenden Hafenmeisters an, der ihnen erstmal erklären musste, wie man die Klampe mit einem Kopfschlag belegt. Im Heckbereich der Yacht diskutierten die restlichen Segler jeder mit einem Tau in der Hand derweilen sehr angeregt, wie man denn nun einen Palstek knüpft, um an den Heckpfählen fest zu machen zu können. Als der Hafenmeister dies bemerkte, ging er Kopfschüttelnd in sein Hafenbüro. Mittwoch früh legten wir aus dem schönen Seedorf ab und setzten Kurs in Richtung Peenemünde. Der Greifswalder Bodden empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und 30°C auf dem Thermometer. Leider schlief der Wind ganz ein, so dass wir zu einem ausgiebigen Bad mitten auf dem Bodden gezwungen wurden. Mit Motorunterstützung ereichten wir abends Peenemünde und fanden einen Stegplatz im MRV Peenemünde. Wir wurden sehr herzlich empfangen, obwohl die Mitglieder gerade die Rudenregatta, die mit den Kuttern ZK 10 gesegelt wird, vorbereiteten. Am folgenden Tag erkundeten wir die Tiefen des russischen U-Boots, das im Hafen von Peenemünde zur Besichtigung liegt. Anschließend legten wir ab, um pünktlich zur Brückenöffnung in Wolgast zu kommen. Hinter Wolgast nahmen wir Kurs auf Lassan, das wir nachmittags erreichten. In Lassan schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Sehr ruhig, kein Tourismus und ein sehr kleiner, flacher Hafen. Am Abend versammelten sich die Dorfältesten zu einem Schwätzchen auf den Bänken an der Kaimauer. Nebenbei genoss man den schönen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen vervollständigten wir unsern Proviant im örtlichen Kaufmarkt und legten mittags ab. Eigentliches Ziel war der Hafen von Stagnieß. Laut Seekarte war dieser allerdings gesperrt. Aber man konnte ja nie wissen. Gegen 16 Uhr erkannten wir, dass die Seekarte nicht gelogen hatte. Der Hafen war immer noch wegen Baufälligkeit gesperrt. Als neues Ziel setzten wir Zinnowitz. Der Nordwind mit gleichbleibenden 4 Bft trug uns in knapp 2 Stunden zu unserem Kursziel. Zeitweise erreichten wir unter Genua und Groß 6 kn. Und das bei strahlendem Sonnenschein und 28°C. So müsste jeder Segeltag sein! Der Zinnowitzer Yachtclub ist landschaftlich sehr schön gelegen. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Die Ausstattung des Clubs, z.B. Grillplätze direkt am Steg, ist sehr gut und man wird verleitet länger zu bleiben. Die Landschaft lädt auch geradezu zu sehr ausgedehnten Spaziergängen ein. Trotz der netten Gastfreundschaft segelten wir am nächsten Tag in Richtung Karmin und legten abends im Naturhafen bei Vadder Gentz an. Unser Urlaub neigte sich langsam dem Ende zu. Wir beschlossen am morgigen Sonntag nach Stettin zu segeln, um dort die Heimreise nach Berlin anzutreten. Der Wetterbericht sagte Westwind bei 3-4 Bft. voraus. Also ideale Bedingung für die 40 sm bis nach Stettin. Am Sonntagmorgen um 7:00 legten wir aus dem kleinen Naturhafen ab. Kaum aus dem Hafen bekamen wir Rückenwind, der uns mit 4 kn ostwärts über das Haff schob. Leider war es sehr diesig und die Sonne schaffte es nicht die Wolkendecke zu durchbrechen. In Höhe Ückermünde bekamen die Wellen eine Höhe von ca. 1 m. Mit ausgebaumter Fock und weit ausgefiertem Groß war es ein angenehmes Segeln, obwohl die Wellen stetig unter der Varianta durch rollten. Leider schlief hinter Ziegenort der Wind ein, so dass wir den restlichen Weg den Motor anreißen mussten. Gegen 18 Uhr errichten wie die Marina Gozlav, wo wir unserer Vereinskameraden Monika und Bernd trafen. Für sie hatte der Urlaub gerade begonnen. Gemeinsam saßen wir abends bei einem Bier im Cafe der Marina, als uns ein kräftiger Regenguss überraschte. Der zweite Regentag in unserem Urlaub! Nach dem der Regen vorüber war, riggten wir die „Sirius“ ab. In aller Ruhe wurde der Mast gelegt und alles ordentlich verpackt, damit es am morgigen Montag in Richtung Schwedt gehen konnte. Die Fahrt nach Schwedt verlief bei Sonnenschein und 25°C sehr ruhig. Uns begegneten viele Segler, die mit ihrem Schiff in Richtung Ostsee unterwegs waren. Der Ferienbeginn machte sich bemerkbar. Die Nacht verbrachten wir wieder im Sportclub Rotation. Am nächsten Morgen versorgten wir uns mit frischen Brötchen und starteten nach dem Frühstück in Richtung Werbelinsee. Da wir noch ein paar Tage Urlaub hatten, wollten wir mit der „Sirius“ noch einen Tag auf diesem sehr schönen See verbringen. Da wir allerdings drei Stunden Wartezeit vor dem Schiffshebewerk Niederfinow hatten, erreichten wir erst gegen 20 Uhr die Marina Marienwerder, die gegenüber dem Werbelinkanal liegt. Am nächsten Morgen fuhren wir langsam den Werbelinkanal hoch und errichten nach kurzer Zeit die erste der beiden Schleusen. Der Kanal hatte eine Durchfahrtstiefe von 1,40 und beide Schleusen einen Hub von 3 m. An dem Drempel der Schleuse sah man sehr gut, dass eine Durchfahrt mit mehr als 1,40 m Tiefgang nicht möglich ist. Nach dem der Kanal durchfahren war, empfing uns der Werbelinsee mit seinem sehr klaren Wasser und einer sehr idyllischen Uferlandschaft. Den Tag verbrachten wir vor Anker. Nach einem ausgiebigen Badetag, übernachteten wir im Segelverein Stahl Finow. Hier wurden wir von einem sehr netten Hafenmeisterehepaar empfangen, die sehr gute Tipps für das abendliche auswärtige Essen hatten. Es ist wirklich zu empfehlen, hier mal eine Woche Urlaub zu verbringen. Am Donnerstag, den 9.07. ging es morgens weiter in Richtung Berlin. Noch einmal genossen wir die Fahrt durch den Werbelinkanal. Die Wartezeit vor der Schleuse Lehnitz war recht kurz und so erreichten wir gegen 18 Uhr unseren Heimathafen im Segel-Club Nordstern. Zum Abschluss ist zu sagen, dass man es durchaus zu zweit mit Hund vier Wochen auf einer Varianta 65 aushalten kann. Das Seeverhalten der „Sirius“ war so gut, dass wir nie Angst haben mussten. Mit einer angepassten Segelfläche kann man die Varianta durchaus bis Windstärke 6 segeln. Sie setzte recht weich in die Wellen ein und segelt auch bei Wellen um einen Meter recht trocken. Und wie sagt man so schön ... nach dem Urlaub, ist vor dem Urlaub. Die Planung für das nächste Jahr hat schon begonnen. Axel Reband September 2009 |
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