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Da Michael noch nie vorher auf dem IJsselmeer gesegelt war und wir noch einige Trainingstage zum Kennen lernen des Reviers nutzen wollten (das IJsselmeer hat bei Wind auf Grund der geringen Wassertiefe von nur 2 – 4 m eine sehr kurze, steile und daher im Vergleich zu Ostseerevieren wie Travemünde oder Warnemünde sehr gewöhnungsbedürftige Welle), sind wir bereits eine Woche vorher angereist.
Samstag, 02.07.2011 Nach einer problemlosen 8-stündigen Anreise (rund 670 km von Berlin) hieß es Vorzelt aufbauen und Zelt einrichten, Boote abladen und das mitgebrachte Motorboot ins Wasser bringen. Wir waren überrascht, dass 5 Tage vor Beginn der Euro die gesamt Landorganisation mit dem großen Veranstaltungszelt sowie die Kennzeichnung der einzelnen Stellplätze der Boote mit Namen, Nation und Segelnummer schon komplett aufgebaut war. Das ließ uns auf eine gut organisierte Veranstaltung hoffen. Abends ließen wir diesen ersten Tag gemütlich beim Grillen mit Familie Edinger (SCS) ausklingen.
Sonntag 03.07.2011 Da der Trainer für die Kids noch in Warnmüde beim Europacup war und dort die Laser Radial betreute, übernahmen Gunther Edinger und ich am nächsten Tag bei 4 – 5 Bft das Training für die Berliner Laser-Truppe. Hier zeigte sich bereits, wie richtig es war, nicht in Warnemünde den Europacup zu segeln, sondern sich rechtzeitig an die Welle auf dem IJsselmeer zu gewöhnen. Die Welle ließ uns selbst im Mobo das eine oder andere Mal den Halt verlieren und durchs Boot stolpern. Nach rund 3 Stunden intensiven Trainings mit mehreren kurzen Up-and-Down-Rennen ließen wir dann am ersten Tag die Kids in einem langen Halbwind-Flug den Tag auf dem Wasser beenden.
Natürlich waren wir nicht die einzige Trainingsgruppe auf dem Wasser und schon jetzt war zu erkennen, dass in anderen Ländern der Laser 4.7 bis zur max. Altersbegrenzung ausgesegelt wird und dass diese Segler dann natürlich bei mehr Wind konditionelle und vor allem vom Gewicht her entsprechende Vorteile haben.
Montag, 04.07.2011 Am Montag war etwas weniger Wind, mit zum Nachmittag hin stark abnehmender Tendenz, so dass die Kids auch diese Wind- und Wellenbedingungen kennen lernen konnten.
Da wir natürlich Fahrräder dabei hatten (was sind schon die Niederlande ohne Fahrräder?), machten die Kids nach dem Segeln jeden Tag den Campingplatz und die nähere Umgebung unsicher. Mit jedem Tag und jedem neu angereisten Segler wurde die Gruppe größer und jeder Segler den die Kids von den Regattabahnen kannten (viele noch aus der gemeinsamen Opti-Zeit) wurde mit einem großen „Hallo“ oder auch „Was macht der/die den hier“ begrüßt.
Dienstag, 05.07.2011 Heute war gar kein Wind und da für den ganzen Tag auch kein segelbarer Wind vorhergesagt war, nutzten wir den Tag für eine große gemeinsame Radtour von Workum aus über Makkum zur Lorntz-Schleuse im großen Abschlussdeich zur Nordsee. Mit insgesamt 48 km war das meine längste Radtour seit seeeehr langer Zeit.
Mittwoch, 06.07.2011 Heute begannen die ersten Vermessungen. Da die Deutschen 4.7er gemäß Zeitplan des Veranstalters erst am Donnerstag vermessen werden sollten, war heute noch mal Wassertraining mit Gunther angesagt. Diesmal aber zusammen mit der Trainingsgruppe vom Kieler Yacht Club. Runa, die Trainerin der Kieler, hatte die Berliner 4.7er auch schon beim Frühjahrslehrgang in La Rochelle betreut, so dass sich alle schon gut kannten. Leider gab es heute bei 5 Bf. etwas Bruch: bei Kenterungen hatte sich Nadine und Johannes ihre Mastoberteile verbogen, so dass sie sich noch zur Vermessung neues Material kaufen mussten. Zu allem Überfluss wurde Nadine auch noch beim Aufrichten ihres Bootes durch eine Welle so unglücklich ins Mobo von Runa gespült, dass sie den Schalthebel abbrach und das Mobo außer Gefecht setzte. Mit nur einem funktionstüchtigen Mobo war damit das Training bei diesen Wetter und Wellenbedingungen frühzeitig beendet.
In der Zwischenzeit hatte ich mir den Ablauf der ersten Vermessungen angesehen und gedanklich Michaels Boot mit den Schwerpunkten der Vermesser verglichen. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, das die Vermesser die Position der Segelnummern sehr genau nahmen und Michaels Nummern 3 cm zu tief saßen. Nach dem ich einige entsprechende Diskussionen anderer Segler mit den Vermessern verfolgt hatte, entschloss ich mich schweren Herzens, dieser Diskussion aus dem Weg zu gehen, die Nummern zu entfernen und neue Nummer einzukleben.
Da das Training auf Grund des defekten Mobos von Runa früher beendet werden musste und die Schlange bei der Vermessung am Abend sehr kurz war, warfen wir unseren Zeitplan für Donnerstag um und versuchten schon heute die Vermessung hinter uns zu bringen. Mit den neu geklebten Segelnummern war die Segelvermessung kein Problem und nach dem die Vermesser auch das Mastoberteil für gerade befunden hatten, waren die größten Hindernisse der Vermessung überwunden und die Vermessung ohne Beanstandungen geschafft.
Die JEM war einer von mehren Test-Events für ein GPS-System für die Olympischen Segelwettbewerbe 2012 in London. Die Boote der Jungs erhielten daher bei der Vermessung einen Halter für einen GPS-Sender. Mit Hilfe der jeden Tag neue ausgegeben GPS-Sender konnten die an Land gebliebenen Eltern, Trainer und Betreuer das Geschehen während der Wettfahrten auf zwei großen Bildschirmen im Veranstaltungszelt in Echtzeit verfolgen. Die Livetracks waren auch im Internet zu verfolgen, was Ute dann auch von Berlin aus tat und teilweise dadurch schneller die Ergebnisse hatte (www.laser4-7ec2011.nl, sind noch im Netz).
Damit bei rund 400 Booten nach dem Segeln die Suche nach dem Slipwagen erleichtert wurde, erhielten alle Boote und Slipwagen bei der Vermessung eine Nummer aufgeklebt. Am Strand wurde dann den Slipwagen entsprechend der Nummer ein fester Stellplatz zugewiesen. Darüber hinaus erhielten die Segler einen Teilnehmerausweis mit Namen und Segelnummer. Dieser Ausweis musste vor jedem Auslaufen abgegeben und nach dem Segeln wieder abgeholt werden. So hatten die Organisatoren immer einen Überblick, ob kein Segler auf dem Wasser „vergessen“ wurde. Es war deutlich erkennbar, dass die Organisatoren schon öfters Veranstaltungen in vergleichbarer Größenordnung durchgeführt haben.
Donnerstag, 07.07.2011 Da neben Michael auch alle anderen Berliner 4.7er-Segler schon gestern ihre Boote erfolgreich durch die Vermessung bringen konnten, konnte dieser Tag wieder komplett zum Training genutzt werden. Diesmal aber mit dem am gestrigen Abend, nach der Vermessung eingetroffenen Berliner Landestrainer für die Laser, Olaf Koppin. Bei 3 - 4 Bf. wurden zusammen mit den Griechen und Italienern einige Trainingsrennen gefahren. Nach 4 ½ Stunden auf dem Wasser folgte dann noch ein Stunde auslaufen und eine ausführliche Videoanalyse, bei der die Unterschiede in der Bootsbeherrschung zwischen Griechen, Italienern und unseren Kids klar zu erkennen waren.
Freitag, 08.07.2011 Vormittag wurde wieder ein kurzes Wassertraining bei 5-6 Bft durchgeführt. Um 19:45 Uhr begann die offizielle Eröffnungsfeier mit einem Marsch aller Segler hinter ihren Nationalfahnen über den gesamten Campingplatz. Angeführt wurde der Zug vom Veranstaltungskomitee in einem 4-Spänner. Abgeschlossen wurde der Zug von der in den Niederlanden üblichen Blaskapelle. Irgendwann im Lauf des Zugs hatte dann plötzlich Michael unsere Nationale in der Hand und führte die Deutsche Gruppe an. Im Festzelt wurden die bei solchen Anlässen üblichen Reden der Veranstalter, der örtlichen Politik und des Wettfahrtleiters gehalten. Zum Schluss wurden noch einmal alle 28 teilnehmenden Nationen präsentiert und die Fahnenträger zur Präsentation der Flaggen auf die Bühne gerufen. Da Michael immer noch (oder schon wieder?) die Nationale in der Hand hatte, durfte er den „Adenauer“ für Deutschland auf die Bühne tragen!
Insgesamt waren 280 Jungs und 130 Mädchen am Start mit insgesamt 410 teilnehmenden Seglern war diese JEM die bisher größte Laser 4.7- Veranstaltung in der Geschichte dieser Klasse. Gesegelt wurde auf zwei getrennten Bahnen. Die Mädchen wurden in zwei Gruppen geteilt, die Jungs in 4 Gruppen. Die Gruppen wurden nach Farben getrennt und jeden Tag neu gemischt, so dass nach geplanten 8 Wettfahrten jeder mindestens einmal gegen jeden gesegelt war. Nach den 8 Vorläufen würde das Feld der Jungs entsprechend der Gesamtliste in eine Gold-, Silber-, Bronze- bzw. Emerald-Gruppe geteilt werden. Der Europameister wird dann in der Goldgruppe ausgesegelt. Das Feld der Mädchen wird nur in eine Gold- bzw. Silber-Gruppe geteilt.
Samstag, 09.07.2011 Der für 11:30 Uhr angesetzte erste Start musste wegen 6 – 7 Bf. um zwei Stunden verschoben werden. Das Startschiff, ein Plattbodenschiff, war gegen Wind und Wellen nicht gegen angekommen. Nachdem der Wind etwas abgeflaut hatte, konnten dann noch zwei Läufe gesegelt werden.
Während die Kinder ihre Wettfahrten segelten, machten Gunther und ich unsere beiden alten Laser (mit Radial-Segel) fertig und gingen selber segeln. Wir wollten ja auch unseren Spaß haben – und den hatten wir!!! Ohne Zwang eine Tonne runden zu müssen konnten wir bei es 4-5 Bf. so richtig fliegen lassen und die Wellen Vorwind so lange runtersurfen wie wir es schafften, auf ihr zu bleiben und noch Luft zwischen all der Gischt zu bekommen.
Wir merkten aber auch, wie unangenehm kurz und steil die Wellen waren und was für eine körperliche Leistung den Kids bei diesen Bedingungen abverlangt wurde, wenn sie nicht nur aus Spaß sondern auch noch unter taktischen Gesichtspunkten die Wettfahrten segeln mussten.
Sonntag, 10.07.2011 Heute waren wieder 2 Läufe angesetzt. Mit 2 – 3 Bf. war jedoch deutlich weniger Wind wie am Vortag. Nach dem die Kinder alle auf dem Wasser waren und wir unsere häuslichen Aufgaben erledigt hatten (Frühstückstisch abräumen und abwaschen), sind wir mit unseren Lasern noch einmal 1 Stunde bis zur Bahn der Mädchen rausgekreuzt, haben in sicher Entfernung zu Lee-Tonne etwas das Geschehen beobachtet und uns dann wieder auf den langen Rückweg gemacht. Leider sind uns auf Grund des wenigen Windes nicht mehr so tolle Rutschen wie am Vortag gelungen.
Montag, 11.07.2011 Für diesen Tag war nur 1 Bf. vorhergesagt und der Wetterbericht sollte recht behalten: kein Wind und viel Sonne. Gegen Mittag bestand jedoch die Möglichkeit, dass sich von der Nordsee mit einsetzender Flut Seewind durchsetzten könnte. Es begann also das lange Warten, wann der Wind kommt bzw. wann die Wettfahrtleitung beschließen würde, dass er nicht mehr kommt. Gegen 16:00 Uhr war es dann soweit, dass die beiden für heute vorgesehen Läufe auf den Dienstag verschoben werden mussten. So wurde es ein schöner Urlaubstag am Strand.
Dienstag, 12.07.2011 Dienstag sollte wenigsten ein Lauf von gestern nachgeholt werden, so dass die Wettfahrtleitung für diesen Tag 3 Läufe angesetzt hatte. Da am Mittwoch die Finalläufe beginnen sollten, fiel heute die endgültige Entscheidung, in welche Finalgruppe jeder segeln würde. Da Michael bei den Windwettfahrten vielen anderen Seglern körperlich unterlegen war, ging es nur noch darum mit überdurchschnittlichen Platzierungen doch noch die Bronze-Gruppe zu erreichen. Die beim Auslaufen wehenden 2 – 3 Bf. frischten im Laufe des Tages wieder auf 5 Bf. auf, so dass es am Ende des Tages und insgesamt 7 Vorläufen leider doch nicht für die Bronze-Gruppe reichte.
Mittwoch, 13.07.2011 Heute erreichte uns leider ein großes Tiefdruckgebiet mit in der Spitze bis zu 40 Knoten und Dauerregen. Nach einer längeren Startverschiebung kündigte die Wettfahrtleitung einen Startversuch für die beiden Gold und Silber-Rennen an. Nach dem das Startschiff ausgelaufen war und beim Versuch das Regattagebiet zu erreichen auf Grund des hohen Wellengangs mehrfach Grundberührung hatte (Wassertiefe nur max. 3,2 m, Wellenhöhe ca. 1,5 – 2 m), wurde auch dieser Versuch abgebrochen. So kam keine Wettfahrten zustanden. Wir hofften nur, dass unser Vorzelt stehen blieb und den Wassermassen von oben einigermaßen standhalten würde.
Donnerstag, 14.07.2011 Donnerstag war die letzte Möglichkeit, doch noch Finalläufe stattfinden zu lassen. Die Wettfahrtleitung hatte daher den ersten Start schon für 10:00 Uhr angesetzt. Bei den Entfernungen zu den Regattabahnen hieß das um 8:30 Uhr Auslaufen und um 07:00 Uhr Aufstehen. Die Wetterprognosen für heute sahen im Vergleich zu gestern leider nicht besser aus. Nur das heute erstmal gar kein Wind mehr war und der Dauerregen in gelegentlichen Sprühregen übergegangen war.
So sah sich die Wettfahrtleitung gezwungen, wieder Startverschiebung zu setzen. Nach dem sich bis 13:30 Uhr die Windverhältnisse nicht gebessert hatten und die letzte Startmöglichkeit um 15:00 Uhr nicht mehr einzuhalten war, brach die Wettfahrtleitung ab und setzte die Preisverteilung zu 18:00 Uhr an. So konnte leider keine Finalläufe mehr gesegelt werden und von insgesamt 12 geplanten Wettfahrten kamen nur 7 zustande, so dass das Ergebnis nach den Gruppenrennen auch das Endergebnis war.
Pünktlich zur Preisverteilung meldete sich das Tiefdruckgebiet mit Wind und Regen zurück, so dass wir kurzfristig umplanen mussten und die zum Abschluss geplante Crepésparty statt vor den Zelten, im Vorzelt von Fam. Görz aus Hessen stattfinden musste. Für die Segler gab es nach der Preisverteilung noch eine leckeres Büffet und eine große Abschlussparty. Leider hatten sich schon viele auf den z. T. doch sehr langen Heimweg gemacht, so dass die Party eher mäßig besucht war. Stimmung kam trotzdem auf und einige der Kids fanden erst weit nach Mitternacht den Weg zum Wohnmobil bzw. Zelt.
Freitag, 15.07.2011 Die JEM war vorbei und es hieß das Zelt und das ganze andere Gerödel einzupacken. Morgens hatte der Sturm wieder nachgelassen und der Regen aufgehört, so dass wird alles trocken im Vivaro zu verstauen und wieder gen Heimat fahren konnten.
Fazit: Die JEM in Workum war eine super organisiert (fest zugewiesenes Stellplätze für die Boote, klar strukturierter Ablauf der Vermessung, Teilnehmerausweis, Nummerierung der Boote und der Slipwagen zur eindeutigen Zuordnung beim Slippen, GPS-Sender für alle Jungs, jeden Tag Nudel nach dem Segeln, einen Tag Grillparty für die Segler sowie großes Abschlussbüffet mit -party) und durchgeführte Veranstaltung. Leider war die JEM durch die sehr komplizierte Wetterlage (Flaute und Starkwind im Wechsel) geprägt.
Aus seglerischer Sicht war das Ergebnis etwas ernüchternd. Michael hatte sich zum Ziel das Erreichen des Bronze-Rennens gesetzt. Mit Gesamtplatz 237 und dem Erreichen des Emerald-Laufs blieb Michael hinter seinen eigenen Erwartung zurück. Von 21 gestarteten Deutsche Jungs hatte er im Gesamtergebnis jedoch noch 12 Segler hinter sich, so dass ich aus nationale Sicht das Ergebnis für ihn wieder etwas relativiert.
Für alle Deutschen Teilnehmer (Jungs wie Mädchen) zeigte sich, dass International die Trauben sehr hoch hängen und im taktischen wie körperlichen Bereich noch viel gearbeitet werden muss, um International den Anschluss zu finden. Dennoch war es für alle (für Segler wie für die Begleiter) eine sehr spannenden und lehrreiche Veranstaltung, die die Mühe und den Aufwand mehr als lohnte.
Andreas Steffenhagen
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